Andalusien ist der wichtigste Getreideproduzent Spaniens. Die Ernte konzentriert sich auf die Campiñas von Sevilla, Cádiz und Córdoba, wo sie eines der prägenden Elemente der Landschaft bildet: ein sanft gewelltes Mosaik aus braunen Brachflächen, die sich mit grünen Feldern abwechseln und mit dem Nahen der Ernte und des Sommers goldfarben werden.

 

Der Überfluss an Weizen hat den Ruhm der andalusischen Brote begründet, insbesondere der Brote aus Alcalá de Guadaíra. Cervantes erwähnt in Rinconete und Cortadillo bereits „drei sehr weiße Brote aus Gandul“ bei einem legendären Mahl. Dort nutzte man seit dem Mittelalter die Kraft des Flusses, um die Steine der Mühlen — heute besuchbar — anzutreiben und besonders feines Mehl herzustellen. Im 19. Jahrhundert wurde von der sogenannten „Alcalá de los Panaderos“ eine Eisenbahnlinie gebaut, um Sevilla mit Brot zu versorgen; heute ist ihre Trasse ein grüner Rad‑ und Wanderweg.

 

Molino del Algarrobo

 

Der Ursprung eines weiteren Brotes, das ein Markenzeichen Westandalusiens ist, liegt in den großen Überseeexpeditionen: den Regañás. Dieses Brot wird mit sehr wenig Wasser hergestellt und zweimal gebacken — daher auch der Name bizcochos (Doppelbackwerk) —, damit es lange Seereisen übersteht. Wie die bekannten Picos fehlen sie bei keiner Tapasrunde und werden auch anderen Gerichten als knusprige Beilage hinzugefügt.

 

Mollete

 

Über die Molletes ließe sich ein ganzes Buch schreiben. Der Mollete aus Archidona kommt ohne Hefe aus, ähnlich wie ungesäuertes Brot, während der aus Antequera eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) besitzt. Dieselbe Auszeichnung trägt das Brot aus Alfacar, einem Gebiet voller Getreidemühlen, wo noch immer mit Wasser aus der Quelle Fuente Grande geknetet wird. Ebenfalls in der Provinz Granada liegt Alcudia de Guadix, ein weiterer Ort mit großer Bäckertradition. Dort befindet sich Trópolis, eine Bäckerei‑Museumshöhle, die dazu einlädt, die Ärmel hochzukrempeln und selbst Brot zu backen. Backen Sie Ihr eigenes Brot!

 

Trópolis

 

Von der Tradition zur Avantgarde: Der Titel bester Bäcker der Welt bei der World Baker 2021 ging an Domi Vélez, die fünfte Generation an der Spitze einer Bäckerei in Lebrija. Sein Sauerteig wurde an der Universität analysiert, um seine außergewöhnlichen Eigenschaften zu bestätigen, und in seine Kreationen integriert er innovative Zutaten wie Payoyo‑Käse oder Schmetterlingserbsenblüten. Kennen Sie die Archäogastronomie? Domi ist nur die Speerspitze eines großen Projekts, das Brote, Weine und Biere verbindet, die sich an historischen Epochen orientieren. Probieren Sie ein Stück Geschichte!

 

Gerstenfeld

 

Gerste ist seit der Vorgeschichte Teil unserer Geschichte und unserer Gemeinschaften. Daher überrascht es nicht, dass Bier in Andalusien seit Jahrhunderten gebraut wird. Dafür stehen Traditionsmarken wie Cruzcampo (1904) sowie nahezu hundertjährige Brauereien wie Alhambra (1925), El Alcázar (1928) und Victoria (1928). Ein eiskaltes Bier gehört untrennbar zur Tapaskultur Andalusiens, ergänzt durch eine florierende Szene handwerklich gebrauter Biere.

 

Cerveza